DAS
YBBSER BÜRGERSPITAL
700 Jahre soziale Fürsorge

Der OKAY-Arbeitskreis Geschichte gestaltete zusammen mit der Stadtgemeinde Ybbs an der Donau, vielen Leihgebern und Helfern eine umfangreiche Ausstellung über die über 700jährige Geschichte der sozialen Fürsorge in unserer Stadtgemeinde.
Das Ybbser Bürgerspital

Vor 70 Jahren wurde das Entbindungsheim im Gebäude des Bürgerspitals eröffnet. Bereits 700 Jahre vorher hatte die Stadt Ybbs ein „Spytal“. Seine Anfänge beim Kloster an der Donau, seine Stiftungen, die Entwicklung des Bürgerspitalfonds und die heutige Nutzung des Gebäudes als Schule sind Themen dieser von OKAY und der Stadtgemeinde Ybbs gestalteten Ausstellung.
Im Wandel der Zeit

Spitäler
im Mittelalter hatten einen weiten Aufgabenbereich.
Klosterspitäler kümmerten sich um Kranke, Waisen oder
alte Menschen. Bürgerspitäler hingegen kamen
ausschließlich Bürgern - Gewerbetreibenden mit
Hausbesitz – zugute. Für andere in Not geratene
Stadtbewohner gab es Armenhäuser, aus denen sich
später Altersheime entwickelten.
Oft baute man eigene Siechenhäuser für Schwerstkranke
und Sterbende, in Zeiten von Pestepidemien wurden vor der Stadt
Quarantänehütten (Kontumazhäuser) errichtet.
An die Stelle des privilegierten „Bürgers“
einer Stadt trat im Laufe des 19. Jahrhunderts der gleichberechtigte
„Staatsbürger“. Somit konnte jedem
Bedürftigen Unterstützungen aus dem Vermögen
der Bürgerspitäler gewährt werden. Der
„Bürgerspitalsfonds der Stadt Ybbs“
besteht heute noch und bietet Hilfe in unverschuldeten
Notfällen. In jüngster Zeit wird auch - im echten
Sinn des Wortes - „Fürsorge“ sehr
umfangreich durch den Verein „Soziales
Ybbs“ angeboten.
Spital im Kloster

In der
landesfürstlichen Stadt Ybbs wurde erstmals ein Spital
gemeinsam mit dem im 13. Jahrhundert in der Vorstadt Piesenegg erbauten
Kloster für Zisterzienserinnen genannt. Innerhalb dieses
Klosters gab es ein „hospital infirmorum“, einen
abgesonderten Krankensaal für die Nonnen.
Nach einer Brandkatastrophe, die das Kloster und Teile der Stadt
zerstört hatte, baute Friedrich der Schöne 1305 das
Kloster wieder auf und Adelheid Gottschalk, eine reiche Ybbser
Bürgerin, stiftete daneben ein Spital und übergab es
der äbtissin.
Es war bereits ein Hospital für alle - für die
Bevölkerung aus der Umgebung, für wandernde
Handwerker, reisende Dienstboten oder für Unfallopfer.
Treibende Kraft dafür war die Verpflichtung der Ordensleute
zur christlichen Nächstenliebe. Finanziert wurde das Spital
aus Stiftungen und Spenden Adeliger und reicher Bürger.
Bürgerspital

Ab dem 14.
Jahrhundert gab es ein Bürgerspital. Es lag auch
beim Kloster, am Donauufer. Stifter war Hanns von Ybbs, der Sohn
Adelheid Gottschalks.
Das Bürgerspital war im Besitz der Stadt und vom Kloster
unabhängig. Es wurde von der Stadt verwaltet und ebenfalls aus
Stiftungen und Geldern der Bürger finanziert.
Eigentlich war es ein Altersheim und diente der Betreuung alter
Bürger - sogenannter Pfründner, die sich einen Platz
für den Lebensabend gesichert hatten. Verarmte Bürger
erhielten aus Stiftungsgeldern Armenpfründe.
1859 errichtete die Gemeinde Wien an der Stelle des ehemaligen Klosters
und des Bürgerspitals ein Versorgungshaus für Wiener
Pfründner. Das Ybbser Bürgerspital wurde daher am
heutigen Bürgerspitalplatz, auf dem Gelände des
Linshofes neu erbaut. Dieses Gebäude existiert heute noch.
Entbindungsheim

Schon seit
1895 gab es im Gebäude des neuen
Bürgerspitals auch einen Kindergarten. 1940 wurde
darüber hinaus dort das Ybbser Entbindungsheim eingerichtet.
Im Erdgeschoss befanden sich Kreißzimmer, Zimmer für
Wöchnerinnen, ein Babyzimmer und Personalzimmer, sowie
Küche und ein Bad. Nur mehr im Obergeschoss gab es noch
Pfründnerunterkünfte und Wohnungen, die bereits
vermietet waren. Das Haus zur Versorgung alter Ybbser Bürger
hatte mit der Zeit neue Aufgaben bekommen.
Von 1964 bis 1968 war in dem Gebäude vorübergehend
sogar das Rote Kreuz untergebracht. 1968 schlossen sich hier
für alle Einrichtungen für immer die Tore. Im darauf
folgenden Jahr kam es zu einer gänzlich neuen Nutzung des
Gebäudes: Die Eröffnung der Handelsakademie und
Handels-schule war der Start für das heutige Schulzentrum Ybbs
mit IT - HTL.

Die Ausstellung „DAS YBBSER BÜRGERSPITAL –
700 Jahre soziale Fürsorge“ fand im Herbst 2010
statt.
Der Ausstellungskatalog
ist um 15 € bei OKAY erhältlich.